Erinnerungen an eine vergessene Zeit

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Lutz Liebelt erzählte von seiner Kindheit in Eibach

Der Eibacher Heimatverein hatte am vergangenem Freitagabend zu einem Vortrag von Lutz Liebelt ins Dorfgemeinschaftshaus eingeladen. Das Thema: „Eibacher Kindheit in den 1940er Jahren, Erinnerungen an eine vergessene Zeit.“

Liebelt war langjähriger Londoner Kulturkorrespondent, lebte und arbeitete seit 1970 über viereinhalb Jahrzehnte in Großbritannien und war bekannt durch seine Rundfunkberichte. In den 70er, 80er und 90er Jahren war er in nahezu allen Rundfunkanstalten in Deutschland, Österreich und der Schweiz präsent. Er wurde 1936 in Berlin geboren und wohnt jetzt nach seiner Londoner Zeit mit seiner Ehefrau auch wieder dort .

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Der große Saal im DGH war übervoll besetzt

Harald Klein, der Vorsitzende des Heimatvereins, begrüßte alle Anwesenden aufs herzlichste und konnte es kaum glauben, dass der Saal des Dorfgemeinschaftshauses nicht nur bis auf den letzten Platz besetzt war, sondern auch noch der daran angrenzende ehemalige Kindergartenraum mit Stühlen bestückt werden musste.

Der Gastredner berichtete vom Ende des 2. Weltkrieges, den turbulenten Zeiten danach und von seiner Kindheit in Eibach. Liebelt erwähnte, dass er oft nach seiner Herkunft gefragt werde und wo er sich wirklich zu Hause fühle. Diese Frage habe ihn oft in Verlegenheit gebracht.

„Wenn ich an meine Kindheit denke, an das was mich prägte, kam mir immer wieder ein kleines Dorf im Dillkreis in den Sinn, in welchem meine Mutter geboren wurde und wo ich für mich entscheidende Jahre verbracht habe und dort stärker als irgendwo sonst eine Art Heimatgefühl empfand.“

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Zu Besuch bei der Oma

Als Lutz Liebelt im Februar 1944, damals sieben Jahre alt, bei seiner Oma („Kolbs Lina“) ankam, war Eibach noch ein idyllisches Dorf mit nicht mal tausend Einwohnern.

Wir waren mit Sack und Pack in dem Geburtsort meiner Mutter angekommen, weil wir uns auf dem Land sicherer zu sein glaubten. Doch auch hier hörten wir das dröhnende  Motorengeräusch der riesigen Bombergeschwader und mussten auch des Öfteren in Eibachs Felsenkellern Schutz suchen. Das Landleben hatte den großen Vorteil, dass jeder für jeden da war und man Dank der Landwirtschaft keinen Hunger leiden musste. Es gab dünne Pfannkuche, Reibeisekuchen mit Hefeklöße, Kringe, Zuckerplatz, Schmandkuche, Krimmelsches oder Quotschekuche. Wenn am Samstag im Backes gebacken wurde, durften wir Kinder abends die knusprigen Randstücke, die Krestcher essen.

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Kartoffelernte in Eibach

Von seinen vielen Eindrücken, die er als Kind erfahren hatte, berichtete Liebelt mit mitreissender Rhetorik und Gestik und nahm die aufmerksamen Zuhörer mit in die Vergangenheit. Es war beeindruckend an was sich Liebelt in seinem Zeitzeugenbericht noch an alles erinnern konnte und mit eindrucksvollen Bildern dokumentierte.

In seinem Vortrag erwähnte Liebelt besonders die Verdienste des Dorflehrers Eugen Kunz, der im Krieg seinen linken Arm verlor und ein steifes Bein durch die großen Verletzungen hatte. Ein wunderbarer Mann, der sich später als Autor der Eibacher Dorfchronik und anderen Publikationen über die Geschichte des Dorfes unsterbliche  Verdienste erworben hat, betonte Lutz Liebelt.

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Eins der ersten Schulbilder nach dem Krieg

Man hätte eine Stecknadel fallen hören, solch eine Spannung hatte sich aufgebaut. Der zweistündige Vortrag war bis zur letzten Minute mit vielen Erinnerungen bis ins kleinste Detail ausgefüllt und wurde mit großem Sachverstand vorgetragen. Viele der älteren Besucher fühlten sich in diese schwere Zeit zurück versetzt, und bekundeten dies auch mit kräftigem Kopfnicken. Der Berliner Gast betonte, dass die Kriegsjahre nicht nur von Armut geprägt waren , sondern auch von einem Zusammengehörigkeitsgefühl, das man heute allzu oft vermisse.

Das Fazit des Vorsitzenden des Heimatvereins, Harald Klein: Ein unterhaltsamer Abend mit einem Vortrag der besonderen Art.

Text und Fotos: Dieter Holler

 

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