Ökumene heißt: Grenzen überschreiten und Grenzüberschreitungen heilen

Rund 150 Menschen haben am Sonntag (25.10.2009) in der Evangelischen Kirche in Eibach den ersten ökumenischen Gottesdienst gefeiert. Der evangelische Gemeindepfarrer Stefan Fetscher begrüßte dazu besonders die zahlreichen katholischen Gottesdienstbesucher und seinen katholischen Kollegen, Pfarrer Stefan Peter aus Dillenburg.

Zweimal_Stefan

Zweimal Stefan: Links der katholische Pfarrer Stefan Peter, rechts unser Pfarrer Stefan Fetscher (Foto: Burkhard Schmidt)

Pfarrer Fetscher erinnerte daran, dass eine solch gute Zusammenarbeit über Konfessions­grenzen hinweg lange Zeit gar nicht selbstverständlich gewesen sei: „Über Jahrhunderte waren die Gräben zwischen evangelischen und katholischen Christen tief und sie zerschnitten ganze Dörfer und Familien.“ Doch in den letzten Jahren hätten sich die evangelische und die katholische Kirche angenähert. Heute fänden zahlreiche gemeinsame Aktionen statt, wie zum Beispiel der Ökumenische Kirchentag im kommenden Jahr in München. „Mit unserem Gottesdienst heute sind wir Teil einer ganz großen ökumenischen Bewegung“, sagte der evangelische Pfarrer.

Pfarrer Fetscher zitierte Papst Johannes XXIII: „Was uns verbindet ist viel stärker als das, was uns trennt.“ Was die evangelischen und katholischen Christen in Eibach verbinde, sei der Glaube an Gott, die Bibel, die Taufe und der gemeinsame Auftrag für ihr Dorf. „Wir haben einen gemeinsamen Traum – den Traum von der Einheit der Christen.“

Gemeinsam geht es besser

Das kann ja nix werden: Ein Protestant (Uwe Seibert) und ein Katholik (Christoph Schüller) versuchen, jeder für sich eine Kirche zu bauen. (Foto: Burkhard Schmidt)

In seiner Predigt über Johannes 4 sprach der katholische Pfarrer Stefan Peter über Grenzen und erinnerte dabei an den Fall der Berliner Mauer vor 20 Jahren. Grenzen könnten unmensch­lich sein und die Entfaltung des Lebens behindern. Die Grenze mitten durch Deutschland und Europa sei dafür ein krasses Beispiel gewesen. Manche Grenzen seien aber auch nötig und sinnvoll. Ein Beispiel dafür sei die gegenwärtige Diskussion um den Datenschutz: „Die Privatsphäre des Menschen muss geschützt werden.“

Die Begegnung Jesu mit einer samaritanischen Frau zeige, dass Jesus Grenzen überwindet: Nicht nur die zwischen den Konfessionen, sondern auch die zwischen Mann und Frau. Aber Jesus habe auch die Grenzüberschreitungen der Frau angesprochen und ihr einen „Weg der heilenden Umkehr“ gezeigt. Auch im Blick auf die Ökumene ginge es um beides: Grenzen überschreiten und Grenzüberschreitungen heilen. Viele Grenzen seien bereits überwunden worden. Pfarrer Peter erinnerte in diesem Zusammenhang an die „Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre“, die vor 10 Jahren, am Reformationstag 1999, von Vertretern des Vatikans und des Lutherischen Weltbundes in Augsburg unterzeichnet wurde. Jetzt ginge es darum, in einem stetigen Dialog verletzte Bande zu heilen und miteinander heraus zu finden, wo die Wahrheit des Glaubens liege. Alle Beteiligten müssten sich im Licht des Evangeliums fragen, wo Gott seine Kirche hinführen wolle. Das sei nicht leicht und brauche Zeit.

Messdiener

Die beiden Messdiener: Lukas Horch und Justus Kempfer (Foto: Burkhard Schmidt)

Der erste ökumenische Gottesdienst in Eibach enthielt ganz bewusst Elemente aus beiden kirchlichen Traditionen. So waren unter anderem auch zwei katholische Jugendliche aus Eibach als „Messdiener“ daran beteiligt. Beim Fürbittengebet legten sie Weihrauchkörnchen in eine Feuerschale. Der aufsteigende Weihrauch sollte als Zeichen für die Gebete dienen, die zu Gott aufsteigen. Daneben waren viele weitere katholische und evangelische Christen durch Lesungen, Musik und ein Anspiel an der Gestaltung des Gottesdienstes beteiligt.

Die Kinder erzählen von ihrem ökumenischen Kindergottesdienst (Foto: Burkhard Schmidt)

Nach dem Gottesdienst trafen sich die Gottesdienstbesucher noch zum Kaffeetrinken im Eibacher CVJM-Heim. Dort hatte zeitgleich mit dem Gottesdienst in der Kirche ein ökume­nischer Kindergottesdienst stattgefunden, von dem die Kinder ihren Eltern begeistert erzählten.

Wer sich die Predigt nochmal anhören möchte, findet sie als MP3 online unter:
www.evkg.eibach-wetter.de/Predigt.htm

Wer eine Gesamtaufnahme des Gottesdienstes auf CD haben möchte wende sich an:

Roland Reimann
Hauptstraße 11
Eibach

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